12.07.2016

Neues Video-Messverfahren schaut Breitbandanbietern und Streaming-Portalen in die Karten.

Die Fachzeitschrift „connect“ hat in ihrer aktuellen Ausgabe (08/16) den neuen, deutschlandweiten Festnetztest vorgestellt. Dem aktuellen Trend folgend, dass sich die Netze der Breitbandanbieter immer mehr von der Sprachtelefonie zu Video-Distributionsnetzen wandeln, wurde ein bisher noch nicht dagewesenes Augenmerk auf die WebTV-Videoqualität gelegt.

Dabei ermöglicht das neue, von der Erlanger Firma OPTICOM entwickelte Videoqualitätsmessverfahren „PEVQ-S“ eine Analyse der subjektiv vom Nutzer wahrgenommenen Videoqualität. Erstmals gestattet diese Messtechnik einen groß angelegten Vergleich von kommerziellen Anbietern von Videostreaming Abonnements wie Netflix, Amazon Video und Videoload, sowie bekannten Videoplattformen wie Youtube, Vimeo und Facebook.

Untersucht wurde dabei insbesondere, wie sich diese Videodienste sowohl standortspezifisch, als auch je nach Breitbandanbieter qualitativ unterscheiden. Hierbei wurde erneut deutlich, dass die Technologie (DSL, Kabel oder Glasfaser) und Geschwindigkeit des Anschlusses allein nicht als Aussage zur maximal erzielbaren Qualität dienen - schneller bedeutet nicht automatisch besser.

Zudem hängt die Videoperformance stark davon ab, wie gut die Betreiber ihre Netze an die großen Ausspielplattformen (Content Delivery Networks) wie etwa Akamai, Amazon AWS, Level 3 oder Limelight angebunden haben. 

In über 2,1 Mio. Einzelmessungen, an insgesamt 43 deutschen Standorten, analysierte die Firma zafaco mittels automatisierter Testsysteme über 4 Wochen hinweg u.a. die Video- sowie Sprachqualität mit standardisierter Messsoftware von OPTICOM. 

„Mit knapp 300.000 einzelnen Messungen allein für WebTV sorgt zafaco mit dem bis dato großflächigsten Videoqualitäts-Benchmark für dringend notwendige Transparenz: Während Videoportale auf Nutzer wie normale Webseiten wirken, verbirgt sich dahinter in Wirklichkeit eine komplexe Logistik für ‚Streaming‘ und Wiedergabe der Videoinhalte, wobei sogenannte ‚Content Delivery Networks‘, also eigene bzw. angemietete Videoserver-Netzwerkstrukturen die Bitrate ständig adaptiv an die Internetbandbreite und Endgerät anpassen“ erklärt Michael Keyhl, Gründer und Geschäftsführer von OPTICOM. „Im Mobilfunknetz erhält man beispielsweise eine niedrigere Videoqualität, als im Festnetz mit einem Smart-TV. Unser Videoqualitätsmessverfahren PEVQ-S basiert auf einer Reihe von international standardisierten Algorithmen, die Bild für Bild Fehler und Abweichungen zur Referenz erkennen können und dem subjektiven, menschlichen Qualitätsempfinden entsprechend bewerten. Aufgrund des referenzbasierten Ansatzes ist PEVQ-S weltweit derzeit das einzige Verfahren, das gleichzeitig mit der momentanen Qualität das maximale Optimierungspotential in Bezug auf die bestmögliche, auf dem Server verfügbare Qualität quantifizieren kann, und zwar kontextabhängig je nach Betrachtungssituation – ob Smartphone, PC oder TV.“ 

„Mit dem OPTICOM Messverfahren PEVQ-S konnten wir weitergehende Analysen vornehmen, die es uns im Test ermöglichten, den Breitband- und den WebTV-Anbietern gezielt in die Karten zu schauen“ ergänzt Christoph Sudhues, Gründer und Geschäftsführer von zafaco. „So fiel beispielsweise auf, dass Netflix während dem Testzeitraum die Konfiguration seines Videoplayers dahingehend änderte, dass der Stream von vornherein mit höherer Qualität anläuft, was aber zu längeren Wartezeiten führte, bis das Video mit dem Abspielen beginnt (sog. „Initial Buffering“). Wie die Grafik zeigt, lies sich sowohl der Umstellungseffekt, sowie das resultierende Ergebnis mit unterschiedlich starken Ausprägungen bei der Videoqualität und bei allen getesteten Breitbandanbieter beobachten. Durch die Zusammenarbeit mit OPTICOM sind wir weltweit erstmals in der Lage im Rahmen eines kontinuierlichen Benchmarks die messtechnisch erfassbare Servicequalität der populären Videodienste von Amazon, Facebook, Netflix, Videoload, Vimeo und Youtube zu überprüfen und somit zur Sicherung und Optimierung von Qualitätsaspekten in konvergenten Netzen beizutragen. Woraus wiederum eine gesteigerte Kundenzufriedenheit resultiert.“ 

Erst Mitte Juni hatte das Bundeskabinett durch Beschluss der Transparenzverordnung der Bundesnetzagentur die Anbieter zu mehr Transparenz bei Internetanschlüssen verpflichtet. Wie die aktuellen Ergebnisse zeigen, ist die Datenübertragungsrate allein aber kein Garant für gleichbleibende und tatsächlich hohe Qualität. In Anbetracht der enormen Bedeutung von Videostreaming über das Internet kann das Erlanger Messverfahren PEVQ-S hier einen entscheidenden Beitrag leisten, um die tatsächlich vom Verbraucher wahrgenommene Qualität von Videodiensten objektiv und realistisch zu charakterisieren. PEVQ-S wird, wie das ebenfalls von OPTICOM stammende, weltweit etablierte POLQA Sprachqualitätsmessverfahren, von führenden Messgeräteherstellern in Lizenz eingesetzt. Der mehrjährige Entwicklungsaufwand zahlt sich aus: bei jüngsten unabhängigen Tests im Rahmen der andauernden Standardisierung Q14/12 in der Internationalen Telekommunikations-Union (ITU-T) rangiert PEVQ-S unter den Gewinnern mit der höchsten Messgenauigkeit und verweist einfachere Vorschläge, die beispielsweise nur Bitrate und Bildauflösung analysieren, deutlich auf die hinteren Plätze. 

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